Freitag, 21. Dezember 2014
Die - ausnahmsweis kurze - Tagesordnung der letzten Sitzung der 650 Jahre alten Marktgemeinde Anger enthielt die aktuellen Berichte des Bürgermeisters über die Geschehnisse in der Zeit seit der letzten Sitzung sowie einen Rückblick über das Jahr 2014.
Einziger Tagesordnungspunkt, der zu beschließen war, war der Antrag auf Errichtung eines Gehsteiges vom Haidenfeld bis ins Zentrum. Auf Grund einer Initiative mehrerer Gemeindebürger mit Unterschriftslisten wurde dieser Punkt schon in der letzten Sitzung behandelt und - nach Berichten über die bereits 2 Jahrzehnte zurück gehenden Versuche, eine Lösung zu finden, die einerseits finanzierbar wäre und andererseits von den Grundstückseigentümern entlang der Weizer Straße Zustimmung bekommen würde - zur weiteren Behandlung dem Verkehrsausschuss zugewiesen.
Dieser fasste in seiner letzten Sitzung den Beschluss, am 21.Dezember einen Antrag einzubringen, der mit Gemeinderatsbeschluss dem Regierungskommissär die rechtliche Handhabe zusichern würde, das Projekt weiter zu verfolgen und unter Beiziehung von Fachleuten bis zum Frühjahr vielleicht einige Varianten auszuarbeiten.
Der Gemeinderat beauftragte mit einstimmigem Beschluss den Bürgermeister auch in seiner Zeit als Regierungskommissär die Entwicklung von Varianten für eine Lösung voranzutreiben.
Der nächste Tagesordnungspunkt war den geplanten Ehrungen vorbehalten.
Eine Periode geht zu Ende...
Normalerweise werden Mitglieder des Gemeinderates erst nach vollendeten Jahrzehnten im Gemeinderat geehrt.
In diesem Falle lag dies nicht an den Personen, dass die Periode nicht vollendet werden konnte sondern an der Gemeindestrukturreform, die zur vorzeitigen Auflösung des Gemeinderates per 31.Dezember 2014 führte.
Da damit alle Mandate erloschen, beschloss der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung im September, allen Mitgliedern für die geleistete Arbeit in unterschiedlich langen Zeiträumen Dank und Anerkennung in Form einer Urkunde auszusprechen.
Diese Urkunde erhielten die Gemeinderätinnen Christine PIBER und Julia THALLER sowie die Gemeinderäte Ronald DERLER und Josef FETZ jun., die alle seit der letzten GR-Wahl im März 2010 im Gemeinderat waren und in dieser Zeit in unterschiedlichen Ausschüssen tätig waren.
Für die Mitarbeit im Gemeinderat in verschiedenen Ausschüssen seit April 2006 wurde Gemeinderat Otmar ALMER ausserdem mit dem "Ehrenzeichen in Bronze der Marktgemeinde Anger" ausgezeichnet.
Für fast 15 Jahre im Gemeinderat, davon mehrere Jahre als Gemeindekassier und Vorstandsmitglied verlieh der Gemeinderat GR Gerhard GRUBER das "Ehrenzeichen in Silber der Marktgemeinde Anger" .
Das "Ehrenzeichen in Gold der Marktgemeinde Anger" erhielt für mehr als 19-jährige Tätigkeit der aktive Gemeindekassier Peter KOCH.
Bürgermeister Hubert Höfler würdigte alle Geehrten in kurzen Dankansprachen.
Ehrendiplome des Landes Steiermark
Für ihre langjährige Tätigkeit als Gemeinderäte und Funktionäre der Marktgemeinde Anger wurden Vizebürgermeister Mag. Herbert RIBUL, Gemeindekassier Peter KOCH und Gemeinderat Gerhard GRUBER auf einstimmgen Beschluss der Steiermärkischen Landesregierung mit "Ehrendiplomen" ausgezeichnet.
Die Urkunden wurden von Bgm. RR Höfler im Auftrag des Landes Steiermark übergeben.
Ehrenringe für die Mitglieder des Gemeindevorstandes
Der Beschluss, die langjährigen und verdienten Mitglieder des Gemeindevorstandes mit dem "Goldenen Ehrenring der Marktgemeinde Anger", also der zweithöchsten Auszeichnung nach der Ehrenbürgerschaft auszuzeichnen fiel einstimmig. Bürgermeister RR Hubert Höfler würdigte in seinen Ansprachen die Verdienste des Vizebürgermeisters und des Gemeindekassiers.
Gemeindekassier Peter KOCH
gehört seit März 1995 dem Gemeinderat an und war während dieser Zeit 2 mal kurzzeitig - im Wechsel mit Gerhard Gruber und Gerhard Schaden - und seit 2010 ohne Unterbrechung für die Finanzen der Marktgemeinde zuständig. Daneben engagierte er sich besonders bei den verschiedenen Bautätigkeiten im Bereich des Amtshauses und der Schulen und brachte sich dort mit seinem technischen Wissen aus seiner Zeit bei der Telekom ein.
Mehr als 20 Jahre war er zudem als Oberbrandinspektor und Hauptmannstellvertreter im Vorstand der Freiwillligen Feuerwehr Anger und brachte sein Können auch beim Neubau des Einsatzzentrums 2004/2005 ein.
Für all diese Verdienste wurde ihm vom Gemeinderat der "Goldene Ehrenring der Marktgemeinde Anger" verliehen.
Vizebürgermeister Mag. Herbert RIBUL
gehört dem Gemeinderat seit März 1990 an und wurde im März 1995 zum Vizebürgermeister gewählt. 2005 tauschte er diese Position für ein Jahr mit Hubert Höfler, der im April 2006 Bürgermeister wurde. Bei dieser Wahl wurde Mag. Herbert Ribul wiederum zum Vizebürgermeister gewählt und blieb in dieser Funktion bis 31.12.2014.
Bgm. Höfler betonte in seiner Ansprache, dass es nahezu unmöglich ist, all das was Mag. Ribul in den 24 1/2 Jahren seiner Gemeinderatszugehörigkeit geschaffen und geleistet hat in einer kurzen Laudatio wiederzugeben. Beginnend mit der "Gesunden Gemeinde", deren Urvater Mag. Ribul war, über sein Engagement in der Kultur und im "Angerer Frühling" als Verantwortlicher und aktiv Tätiger, seine Öffentlichkeitsarbeit für die Gemeinde von seinen Artikeln im "Blick um Anger" bis zur Gemeinde-Homepage, bis hin zu seinem "Lebenswerk Sozialzentrum", in dem sich sein Soziales Engagement in Anger mit seiner Funktion als Obmann des Sozialhilfeverbandes Weiz (seit 1998) verbindet spannt sich ein endloser Bogen von kleinen Mosaiksteinchen und bleibenden Denkmälern.
Vereinfacht gesagt: "Ein Tausendsassa und Alleskönner"...
Dafür wurde Mag. Herbert Ribul, der schon 2008 mit dem "Goldenen Ehrenzeichen" ausgezeichnet wurde vom Gemeinderat ebenfalls mit dem "Goldenen Ehrenring der Marktgemeinde Anger" gewürdigt.
Bürgermeister RR Hubert HÖFLER
gehört seit März 2000 dem Gemeinderat der Marktgemeinde Anger an. Nach der Wahl 2005 wurde er Vizebürgermeister unter Bgm. Josef Fetz und im April 2006 übernahm er von diesem das Amt des Bürgermeisters. Damit führte er die Gemeinde rund 8 1/2 Jahre - und dies mit großem Elan und persönlichem Einsatz neben seiner beruflichen Tätigkeit als Kanzleileiter der Bezirkshauptmannschaft Weiz.
VBgm. Mag. Ribul brachte einen kurzen Lebenslauf zu Gehör und würdigte seine Verdienste in seinen öffentlichen Tätigkeiten z.B. dem Aufbau des Roten Kreuzes in Anger und vielen anderen Bereichen und überreichte Bgm. RR Hubert Höfler im Namen des Gemeinderates den "Goldenen Ehrenring der Marktgemeinde Anger".
Die Angerer Wirtschaft hat schon viele Auszeichnungen
unsere Betriebe sind nicht nur attraktiv und leistungsfähig!
Gemeinsam mit der Wirtschaft hat auch die Marktgemeinde Anger bereits einige Auszeichnungen "eingeheimst":
2 mal Sieger beim "Goldenen Boden" der Wirtschaftskammer Österreich als Würdigung des hervorragenden Wirtschaftsstandortes (2007 und 2009), 2009 sogar in der Kategorie A gegen Städte wie Weiz, Gleisdorf u.a.
Goldener Boden - Anger
Die Marktgemeinde Anger wurde von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) bereits 2 mal als "wirtschaftsfreundlichste Gemeinde" des Bezirkes Weiz mit dem "Goldenen Boden" ausgezeichnet:
2007 in der Kategorie C der Gemeinden unter 1.000 Einwohner
2009 in der Kategorie A gegen die Konkurenz von Städten wie Weiz, Gleisdorf u.a.
Bezirkssieger 2009
Wirtschaftskammer Weiz
v.l.n.r.: BH HR Dr. Rüdiger Taus, Mag.Andreas Schlemmer (Regionalstellenleiter WK Weiz) , VBgm. Karl Weber (Miesenbach), Bgm. Hubert Höfler u. VBgm. Mag. Herbert Ribul (Anger), VBgm. Franz Hinterleitner (Gasen), Mag. Ulfried Hainzl (WK-Präsident) und Hans Spreitzhofer (WK-Obmann) im Jahr 2009
2009 wurde Anger zusätzlich mit dem 2.Platz in der Landeswertung Steiermark im Campus 02 der WKO in Graz ausgezeichnet.
Bezirkssieger 2007
Wirtschaftskammer Weiz
Die Vizepräsidentin der WKO Steiermark, Mag. Regina Friedrich (GF Fa. FRIKUS) übergab gemeinsam mit Mag. Andreas Schlemmer an die Vertreter der Gemeinde und der Wirtschaft Anger die Auszeichnung "Goldener Boden 2007" für den Bezirkssieger in der Kategorie C (Gemeinden unter 1.000 Einwohner).
Als Partner haben die Marktgemeinde Anger und die Angerer Wirtschaft als Gesamtheit schon einige Auszeichnungen eingeheimst - ganz nach dem Motto: Gemeinsam stark!
Anger = EUropa - GEMeinde
28.April 2006
Im Rahmen eines EU-Wirtschaftsforums unter dem Motto "Nachbar Ungarn" wurde der Marktgemeinde Anger am 28.April 2006 - als erster Gemeinde des Bezirkes Weiz - der Titel
"Europa - Gemeinde" (=EU-GEM)
von der Steiermärkischen Landesregierung verliehen.
Auf Einladung der Wirtschaftsregion Anger, der Wirtschaftskammer Weiz und des Weizer Energie-Innovationszentrums (W.E.I.Z.) waren Vertreter der Wirtschaftskammer des Komitats Baranya (Ungarn) aus Pécs zu Besuch.
Ing. Horst Fidlschuster (EU-Regionalmanagement Ost/RMO) berichtete in seinem Referat "Zukunft des grenzüberschreitenden EU-Programms Interreg-Ziel3" über die aktuelle Fördersituation im Regionalkonzept der EU und wies auf die Notwendigkeit hin, konkrete (und förderwürdige) Projekte für den Fall der Zugehörigkeit zu einer "Leader-plus"-Region ab Jänner 2007auszuarbeiten.
Herr Szigéti (Betriebsleiter der Fa.ADA in Körmend/Ungarn) berichtete über die vielfältigen Probleme des Einstiegs unseres Hauptarbeitgebers in den ungarischen Binnenmarkt, aber auch über die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu finden und die Chancen in den nunmehr grenzüberschreitenden Märkten erfolgreich zu bestehen.
Frau Katalin Králik von der Wirtschaftskammer Pécs referierte über bereits laufende gemeinsame Projekte und Fördermöglichkeiten bilateraler Firmenkooperationen zwischen dem Komitat Baranya und der Oststeiermark.
Frau Ágnes Szabó (Pecs) berichtete über die Zusammenarbeit des EIC (Euro Info Center) mit den EU-Stellen in der Steiermark.
Homepage der Marktgemeinde Anger vor dem 1.1.2015
14 Jahre Zeitgeschichte in digitaler Form...
Rund 14 Jahre dokumentierte VBgm. Mag. Herbert Ribul in der offiziellen Homepage der Marktgemeinde Anger das aktuelle Geschehen - bis zur Schaffung einer eigenen Homepage auch das Geschehen der Pfarre Anger.
Da mit der neuen Gemeinde auch ein neuer Webauftritt notwendig wurde um die bisherigen Auftritte der Gemeinden Anger, Baierdorf, Feistritz und Naintsch "unter einen Hut zu bringen" endet das Archiv Anger mit Jahresende 2014, wobei Berichte über die letzte Gemeinderatssitzung und die Ehrungen der verdienten Gemeinderäte auch schon in "Anger NEU" nachzulesen sind...
Per Beschluss des Gemeinderates soll die "alte" Homepage noch für 1-2 Jahre online bleiben, vielleicht gelingt es inzwischen, erhaltenswerte Daten auf einen anderen, billigeren Archivplatz zu verlagern.
die letzte Geburtstagsgratulation...
... natürlich nur nach dem "alten Muster", sprich: der "alten Marktgemeinde Anger"!
Also rückten "Altbürgermeister" RR Hubert Höfler, "Altvizebürgermeister" Mag. Herbert Ribul und "Altgemeindekassier" Peter Koch am 15.Jänner 2015 noch einmal aus, um Herrn Werner Brandl, dessen 85.Geburtstag am 28.Dezember 2014 - und damit noch in der alten Marktgemeinde - zu feiern gewesen wäre die Glückwünsche der Marktgemeinde Anger zu überbringen.
v.l.n.r.: Peter Koch, Werner Brandl, RR Hubert Höfler, Mag. Herbert Ribul
Heute noch Gegner, morgen Partner
Unter der organisatorischen Leitung von Bruno Nezbeda fand am Samstag, 30.August 2014 ein Fussballturnier der Fusionsgemein- den Anger – Baierdorf – Feistritz – Naintsch im Stadion Anger statt.
Geschichte bis zur Neuzeit
2. und 3. nachchristl. Jhdt.
Mehrere erhaltene Grabsteine (Südostseite der Pfarrkiche aus dem Jahre 1866) geben Zeugnis von der römischen Herrschaft in der Pfarre Anger.
2. Hälfte. 6. Jhdt.
Die Slawen dringen in die Steiermark ein und lassen sich vor allem auf schon urbar gemachten Landstrichen nieder. Eine slawische Siedlung befindet sich aller Wahrscheinlichkeit nach in Fresen (= Birkenau). Slawisch ist auch der Zetz (= Holzschlag). Auf slawische Siedler deutet auch der Name der das Pfarrgebiet durchschneidenen Feistritz, der übersetzt soviel heisst wie „reissender Bach“.
860 - König Ludwig der Deutsche schenkt dem Erzbistum Salzburg mehrere Gutshöfe, darunter auch den grossen Gebietskomplex der sich vom Weizbach bis zur Feistritz (Waxenegg) und vom Kulm bis zum Patschaberg und Zetz erstreckt. Eine erste Kolonisierung des Gebietes wird durch den Einbruch der Ungarn gegen Ende des 9. Jahrhunderts jäh beendet.
1042 – 1044 - In den Feldzügen König Heinrichs III. wird die Ostgrenze des Reichsgebietes bis zur Lafnitz vorgeschoben. Sie bleibt mit kurzen Unterbrechungen bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Grenzfluss zu Ungarn
1217 - Waxenegg findet als „Wesseneck“ erstmals urkundlich Erwähnung. Der Name der Burg deutet auf die Lage hin und heisst soviel wie Scharfenegg („wachs“ im Sinne von „scharf“ wird ja heute noch umgangssprachlich verwendet).
Die Nennung der Burg im Jahre 1217 ist der früheste urkundliche Beleg des gesamten Bereiches um Anger und auch des oberen Feistritztales. Waxenegg wird zum Ausgangspunkt für die Kolonisierung des westlichen Teiles des oberen Feistritztales und ist später Zentrum eines Landgerichtes, das von Anger bis zur niederösterreichischen Grenze reicht.
Damit repräsentiert Waxenegg auch politische Macht. Ziemlich sicher entwickelt sich am Talboden bald auch schon eine Burgunter- siedlung: Anger. Mit Handwerkern, herrschaftlichem Meierhof, Mühle, Säge, Schmiede, Taferne und eine Kirche.
1364 - Im März wird Anger erstmals urkundlich erwähnt.
1379 - Die dem hl. Andreas geweihte Angerer Kirche erhält pfarrliche Rechte.
1389 - Anger wird erstmals als Markt bezeichnet.
1458 - Nach einem Grossbrand, bei dem auch alle Urkunden verbrannten, erhält Anger durch Kaiser Friedrich III. seine alten Privilegien neu bestätigt. Demnach durften „die Bürger dieses Ortes in allen Fürstentüm- ern Österreichs freien Handel und Wandel üben, gleich anderen Städten und Märkten des Landes Steier“. Die Privilegien werden zur Absicherung auch in späterer Zeit immer wieder neu bestätigt.
1480 - Die am Grazer Dom abge- bildeten Gottesplagen scheinen auch vor der Pfarre Anger nicht Halt gemacht zu haben. Die Pest dezimiert die Bevölkerung erheb- lich. Einzelne Bauernhäuser ste- hen leer und nördlich von Anger verödet eine ganze Siedlung (Uczendorf). Sie wird nicht mehr wiederbesiedelt.
1507 - Das Steinpeisshaus oder Freihaus gelangt an die Freiherrn von Teuffenbach zu Mayerhofen, die das Haus um 1600 neu erbau- en und es mit der Pfarrkirche durch einen auf Schwibbögen errichteten Gang verbinden.
1517 - Die am Westportal der Vierzehn-Nothelfer-Kirche einge- meisselte Jahreszahl deutet auf das Bestehen der Kirche schon in vorreformatorischer Zeit hin.
1528 - Anlässlich der landesfürst- lichen Visitation wird die Pfarrbe- völkerung als „ains im Glauben“ beschrieben. Niemand bekannte sich zur lutherischen Lehre.
1553 - Eine kunsthistorische Rarität stellt das auf Holz gemalte Epitaph des Angerer Marktricht- ers und Schuhmachermeisters Lorenz Gigler in der Turmkapelle der Pfarrkirche dar. Es zeigt den Genannten mit seinen drei Frau- en und insgesamt 24 Kindern.
1556 - Im Markt Anger stehen 23 Häuser.
Neuzeit bis zum 20.Jahrhundert
1571 - Nach dem Tod Georg Kleindienst, der Waxenegg zu einer Wohnburg ausgebaut und wesentlich erweitert hatte, erfolgt eine Teilung der Herrschaft Waxenegg, wodurch die ehemals räumlich weitläufige Herrschaft zu einer überschaubaren Grösse schrumpfte. Neu entstanden war durch diese Teilung die Herrschaft Birkenstein mit Schloss Birkenstein in Birkfeld als Herrschaftssitz
1585 - Der Seckauer Bischof Martin Brenner visitiert im Herbst die Pfarre Anger. Er findet einen verheirateten Pfarrer vor, der die Kommunion in beiderlei Gestalt reicht.
1617 - Anlässlich der Visitation Bischof Eberleins wird angeordet, dass der im Pfarrhof stehende Pranger zu entfernen sei. Er diente als Strafe vorwiegend für Ehebrecher
1650 - Im Markt werden 18 verschiedene Berufe gezählt. Darunter waren Lederer, Leinweber und Hafner, Bäcker, Tuchmacher, Fleischhauer und Schmiede. Ab dem Beginn des 18. Jahrhunderts erlangte das Leinweberhandwerk besondere Bedeutung.
1663 - Durch Kauf gelangt die Herrschaft Waxenegg mitsamt den beiden Burgen und den Untertanen in den Besitz der Freiherrn und späteren Grafen von Webersberg, die ein Jahrhundert lang als Burg- und Herrschaftsinhaber fungieren.
1708-1711 - Die Pfarrkirche wird von dem St. Ruprechter Baumeister Lorenz Stattaler neu errichtet. Lediglich der Turmunterbau der alten Kirche bleibt bestehen.
1713-1714 - Eine Pestepidemie rund um die Pfarre Anger führt zu zahlreichen Todesopfern. Anger selbst wird nicht heimgesucht.
1723 - Die Waxenegger Herrschaftsverwaltung wird in den Markt verlegt, da die Burg unwohnlich wurde und beinahe keinen Komfort mehr bot.
1741 - Die wahrscheinlich schwerste Seuche sucht die Pfarre heim. Innerhalb von nur drei Monaten sterben insgesamt 238 Personen an der roten Ruhr – grossteils Kinder und Jugendliche
1761 - Nach dem Aussterben der Webersberg ersteigert Johann Graf Khevenhüller- Metsch die Herrschaft Waxenegg und zieht die Verwaltung nach Thannhausen, das schon längere Zeit im Besitz dieser Familie war.
1772 - Am Hochaltar der Pfarrkirche wird ein Bild des hl. Andreas von Joseph Adam Mölck angebracht.
1787 - Im Zuge der josephinischen Pfarregulierung wird Heilbrunn selbständige Pfarre. Die Pfarre Anger verliert an die Pfarre Heilbrunn die Innere Naintsch.
1799 - Neuer Besitzer Waxeneggs wird Karl August Fürst von Bretzenheim.
1806 - Ferdinand Reichsfreiherr von Gudenus erwirbt Waxenegg und das Steinpeißhaus in Anger.
1848 - Die Aufhebung der Grunduntertänigkeit macht Bauern und Bürger zu persönlich freien Eigentümern ihres Besitzes. Die Agenden der Herrschaft übernimmt die neu geschaffene Ortsgemeinde. Aus den Dorf- und Marktrichtern werden Gemeindevorsteher und Bürgermeister.
1884 - Ehemalige Soldaten der k. u. k. Armee gründen den „Franz Graf Wurmbrand-Stuppacher Militär-Veteranenverein Anger“. Es ist dies der erste behördlich genehmigte Verein der Pfarre. 1888 folgt die Freiwillige Feuerwehr Anger und 1897 der „Angerer Musikverein“.
1890 - Anger wird als Sommerfrischeort gepriesen. Unzählige Gäste – vor allem aus Ungarn – besuchen den Ort. Im Markt zählt man fünf Gasthäuser, die immerhin schon 21 Gästebetten anzubieten haben. Zu den prominentesten Urlaubsgästen zählt der ungarische Musiker und Komponist Béla Bartók, der 1921 hier weilte.
1891 - Alois Thaller errichtet bei seiner Mühle an der Feistritz ein Elektrizitätswerk und schafft die Voraussetzung für die erste Marktbeleuchtung am Hauptplatz.
Geschichte des 20.Jahrhunderts
1911 - Mit der Inbetriebnahme der Feistritztalbahn wird die Region verkehrsmässig erschlossen und erlebt neben einem deutlichen Bevölkerungszuwachs auch wirtschaftliche Impulse.
1914 - Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird Anger Garnisonsdorf. Hunderte Soldaten ziehen von hier aus ins Feld.
1916 - Die Kirchen der Pfarre verlieren zufolge der Metallrequirierungen elf Glocken.
1918 - Mit Kriegsende haben die Gemeinden 110 Gefallene und 5 Vermisste zu beklagen.
20er Jahre - Die Sommergäste kleiden sich während ihres Urlaubes in Anger gerne neu ein. Die in Anger erzeugten graugrünen steirischen Lodenjoppen werden weit über die Grenzen unseres Bundeslandes hinaus exportiert. Sprichwörtlich ist in dieser Zeit die Geselligkeit der Angerer und ihr Kartenspiel, das man hier so erzählt man zu besonderer Vollendung bringt.
1934 - Am 25. Juli beteiligen sich Angerer Nationalsozialisten am Juli-Putsch und besetzen kurzerhand Gendarmerieposten, Post und Gemeinde. Während mehrere Burschen zu Gefängnisstrassen verurteilt werden, gelingt einigen die Flucht nach Bayern.
1938 - Am 12. März wird unser Land Hitler-Deutschland angeschlossen. Einen Monat später sprechen sich von 2.500 Stimmberechtigten der Gemeinden der Pfarre 2.495 für den Anschluss aus.
1938 - In der Turmkapelle der Pfarrkirche werden gotische Fresken freigelegt. Sie stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und geben verschiedene lehrreiche, Bibelstellen nachempfundene, Szenen wieder.
1939-1945 - Der Zweite Weltkrieg fordert in den fünf Gemeinden der Pfarre 147 Gefallene und 19 Vermisste.
1944 - Am 8. Februar fallen die ersten Bomben auf Angerer Ortsgebiet. Alliierte und sowjetische Bombenflugzeuge werden in den letzten Kriegsmonaten zur Alltäglichkeit. Immer wieder sind auch Tote zu beklagen.
1945 - Am 8. Mai endet der furchtbare Zweite Weltkrieg. Tags darauf ziehen Soldaten der Roten Armee in Anger ein. Sie bleiben bis Ende Juli und werden von britischen Besatzungstruppen abgelöst.
1956 - Im Oktober sind im Pfarrbereich mehr als 2000 ungarische Flüchtlinge untergebracht. Sie hatten nach Niederringung des Volksaufstandes ihre Heimat verlassen.
1964 - Im Sommer feiert man 600 Jahre Anger. Zu diesem Anlass wird nicht nur eine neue Linde am Südtirolerplatz gepflanzt, es erscheint auch die erste Ortsgeschichte.
1977 - Am 4. November übergibt der damalige Landesrat Dr. Josef Krainer die fertiggestellte Umfahrungsstrasse dem Verkehr. Sie sorgt vor allem für eine Verkehrsberuhigung im Markt Anger.
1985 - Auf Einladung der Gemeinden und der Kulturreferenten der Pfarre Anger besucht Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger am 4. Juni Anger.
1990 - Die Gemeinden der Pfarre schliessen sich infolge der schrecklichen Ereignisse in Rumänien spontan zu einer Hilfsgemeinschaft zusammen und unterstützen Zavoi im Banater Bergland. 1992 wird man im kriegserschütterten Kroatien hilfreich tätig.
1993 - Im Amtshaus und in der Filialkirche wird die Ausstellung Die vierzehn Nothelfer so zu Anger und in den Alpenländern gezeigt. Rund 8.000 Besucher konnten bei der gelungenen Ausstellung gezählt werden.
1995 - Angespornt durch diesen Erfolg wagen sich die Kulturverantwortlichen an eine weitere Dokumentation, die dem Thema 1945 1995. 50 Jahre Frieden gewidmet wird. Die im Amtshaus und in den Räumlichkeiten der Raiffeisenbank präsentierte Schau wird von der Bevölkerung mit grossem Interesse wahrgenommen.
1997 - Am 28. Mai erscheint die zweibändige Geschichte der Gemeinden der Pfarre Anger. Sie umfasst insgesamt 1534 Seiten mit rund 970 Abbildungen.